Wirtschaftliche Auswirkungen der Corona-Lockdowns


Daten und Fakten, die von unseren Leitmedien unter den Teppich gekehrt werden

„Wir lassen Millionen von Menschen verhungern, weil sie sich sonst mit Covid infizieren könnten“

Ein Standpunkt von Christian Kreiß.

Nach Angaben der UNO1 droht durch die weltweiten Corona-Lockdowns nach westlichem Vorbild fast der Hälfte aller Arbeitskräfte der Erde eine existenzielle Bedrohung der Lebensgrundlage. „Betroffen seien vor allem 1,6 der zwei Milliarden Menschen, die irregulärer Arbeit nachgehen, also ohne Arbeitsverträge, und die oft von der Hand in den Mund leben,“ berichtet die ILO in Genf: „Für Millionen Arbeiter bedeutet kein Einkommen kein Essen, keine Sicherheit, keine Zukunft. Millionen Unternehmen rund um die Welt können kaum atmen. Sie haben keine Ersparnisse oder Zugang zu Krediten. Dies sind die wahren Gesichter der Arbeitswelt. Wenn wir ihnen jetzt nicht helfen, werden sie einfach untergehen.“ […] Das Einkommen dieser Menschen sei im weltweiten Durchschnitt um 60 Prozent eingebrochen, in Afrika und Lateinamerika sogar um mehr als 80 Prozent.2 Der Grund: 436 Millionen Unternehmen und Selbständige weltweit sind in Branchen tätig, die besonders stark unter den Lockdown-Maßnahmen leiden.

Laut Wall Street Journal wird sich 2020 die Zahl der hungernden Menschen auf der Welt von 130 auf 260 Millionen verdoppeln.3 Darunter sind erfahrungsgemäß sehr viele Kinder. Davon sterben immer ziemlich viele. Vermutlich werden wir schon dieses Jahr mehrere Millionen zusätzliche Hungertote sehen, vor allem Kinder, vor allem Mädchen, vor allem Schwarze und Farbige. Der Grund: Die Covid-Lockdown-Maßnahmen, die von dem Vorbild westliche Welt ausgingen und unhinterfragt in den meisten Ländern der Dritten Welt übernommen wurden. Zum Vergleich: Die Zahl der Corona-Toten weltweit liegt momentan bei knapp 0,6 Millionen.4 Das Durchschnitts- und Medianalter der offiziell an oder mit Covid Gestorbenen liegt über 80, die meisten Covid-Toten waren mehrfach schwer vorerkrankt. Die Hungertoten in der Dritten Welt dagegen sind häufig sehr jung, es betrifft vor allem Kinder. Vermutlich werden über hundertmal so viele Lebensjahre durch die freiheitsberaubenden Covid-Restriktionen zerstört als gerettet.

Ein sehr aufrichtiger Journalist brachte kürzlich den Sachverhalt gut auf den Punkt: „Auf keinen Fall hätten wir Corona-Gläubigen voraussehen können, dass diese Tagelöhner, Wanderarbeiter, Straßenhändler und sonstigen krass-prekär Beschäftigten des informellen Sektors in der Dritten Welt nach wenigen Tagen Ausgangssperre hungern würden. Wir können doch deshalb die Corona-Ausnahmezustandsmaßnahmen nicht aufheben. Nein, dann stürben doch die armen Verhungernden an Corona. Bevor die an Corona sterben, ist es besser die verhungern. Hauptsache die sterben nicht an Corona.“5

Ein Beispiel: In Indien brachen Exporte und Importe im April 2020 gegenüber dem Vorjahr um 60 Prozent ein, im Mai waren es 37 (Exporte) und 51 Prozent (Importe). Es wurden etwa 100 Millionen Inder durch die Covid-Lockdowns in die Arbeitslosigkeit geschickt.6

36 Länder der Dritten Welt stehen laut Wall Street Journal vor starken Schuldenproblemen. In Banksprache: Die Bonität vieler Bonds wackelt. Ich war sieben Jahre Investment Banker und denke, diese Finanzprobleme werden für einige Länder und viele hundert Millionen Menschen übel ausgehen. Denn die Weltkonjunktur und damit Gewinne und Cash Flows, also die Fähigkeit, Schulden zurückzuzahlen, geht in den Keller, die ausstehenden Schulden bleiben jedoch bestehen, genauer: sie schießen momentan sogar nach oben. Das kann schwerlich ohne Schuldenausfall, Schuldenschnitt, Schuldenverzicht oder Insolvenzen funktionieren. Diese führen häufig zu Finanzkrisen, Währungsturbulenzen und Import-/ Export-Problemen in den betroffenen Ländern. Begleitet wird das meistens von hoher Arbeitslosigkeit, Armut, Elend und sozialen Unruhen. Der Grund für die kommende Bondkrise: Corona-Lockdowns weltweit nach westlichem, nach unserem Vorbild. Dadurch produzieren wir in den armen Ländern dieser Welt Elend, Leid und Tod in ungeheurem Ausmaß.

Die Situation in den USA: Von 21. März bis 4. Juli 2020 haben sich in den USA 50 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet.7 Die offizielle Arbeitslosenrate lag im Juni 2020 bei 11,1, die Jugendarbeitslosigkeit bei 20,7 Prozent.8 Fachleute weisen allerdings darauf hin, dass die offizielle Arbeitslosenquote zu niedrig wiedergegeben wird. Laut Wall Street Journal fanden im Mai in den USA über 30 Prozent der 16-19-Jährigen keinen Job. Besonders hart betroffen: Schwarze. Ende April 2020 waren in den USA etwa 40 Prozent der US-Haushalte mit Kindern unter 13 „food insecure“, das heißt, die befragten Mütter wussten nicht, wie sie ihre Kinder ernähren sollen. Der Anteil der Mütter mit Kindern unter 13, die berichteten, dass das eingekaufte Essen nicht reicht, erhöhte sich durch den Lockdown um 170 Prozent gegenüber 2018.9

Einer der Gründe: Schon vor der derzeitigen Lockdown-induzierten Wirtschaftsdepression waren die Vermögen der untersten 20 Prozent der US-Haushalte – zwischen 2007 und 2019 – laut Wall Street Journal um etwa ein Drittel gefallen, ihre Einkommen waren in diesen 12 Jahren real um 2 Prozent zurückgegangen.10 Dann kam der Lockdown. Er hat das unterste Fünftel der US-Bevölkerung entsprechend hart erwischt, vor allem die Minderheiten, die Schwarzen und die Farbigen. Im unteren Viertel der US-Bevölkerung ist die Arbeitslosenquote laut Wall Street Journal mit über 30 Prozent sehr viel höher als im Landesdurchschnitt, weil die unqualifizierten Tätigkeiten häufig sehr service-orientiert sind und dort wenig home office möglich ist.

Ein Blick nach Deutschland: Die offizielle Arbeitslosenrate lag im Mai bei 3,9 Prozent. Das entspricht 2,85 Millionen Menschen.11 Dazu kamen im April (neuere Daten liegen leider nicht vor) 6,8 Millionen Menschen in Kurzarbeit.12 Das waren insgesamt also etwa 9,7 Millionen Arbeitnehmer von insgesamt ungefähr 45 Millionen Beschäftigten bei uns. Also mehr als 21 Prozent der Arbeitnehmer haben im April nicht normal, nicht voll oder gar nicht gearbeitet. Allerdings sind das alles letztlich nur Schätzungen. Laut der arbeitgebernahen Denkfabrik Agenda Austria beliefen sich Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit zusammen in Deutschland im April auf 30 Prozent. Zum Vergleich: In Schweden auf 14 Prozent.13

In Baden-Württemberg war im April jedes vierte Produktionsunternehmen geschlossen. Die Auftragseingänge der Industrie sind von Januar bis April gegenüber dem Vorjahr deutschlandweit um 38 Prozent gesunken. Im Mai lagen sie um 29 Prozent unter Vorjahr. In der Automobilindustrie waren die Auftragseingänge im April 47 Prozent unter dem Niveau von Februar 2020.14 Das verheißt für die kommenden Monate nichts Gutes auf dem Arbeitsmarkt. Daimler gab am 11.7. bekannt, dass 15.000 Stellen abgebaut würden.15

Exporte und Importe sind bis Mai 2020 implodiert.16 Die meisten Menschen in unserem Land haben nach meiner Einschätzung noch nicht realisiert, dass die eigentliche Krise den Arbeitsmarkt erst in den kommenden Monaten in voller Wucht erfassen und einige Jahre dauern wird. Viele Menschen werden durch das Kurzarbeitergeld in der Illusion gewiegt, dass bald alles wieder normal sein wird. Kurzarbeitergeld – so sinnvoll diese Maßnahme auch ist – ist aus psychologischer Sicht gewissermaßen Opium für die Arbeitnehmer. Sie werden dadurch über den eigentlichen Ernst der Lage betäubt. Viele Menschen glauben immer noch an eine Art V-Aufschwung, steil bergab mit der Konjunktur und dann wieder steil bergauf, und haben Angst vor einer „zweiten Welle“ bei Corona-Infektionen. Das ist in meinen Augen völlig absurd. Eine „zweite Welle“ ist für die große Mehrheit der Menschen, für über 80 Prozent laut Johns Hopkins University17, nämlich junge, gesunde, nicht multimorbid Vorerkrankte, weitgehend harmlos, genauso wie die erste Welle. Nicht aber der kommende Absturz am Arbeitsmarkt. Vor dem könnten die Menschen zu Recht Angst haben. Die Angst ist vollkommen fehlgelenkt. Und das ist kein Zufall, sondern gewollt und bewusst herbeigeführt, denn davon profitieren einige Finanzakteure in gigantischem Ausmaß.18

Die Fehleinschätzung über die künftige wirtschaftliche Entwicklung geht hauptsächlich von den Ökonomen aus. Mit wenigen Ausnahmen, z.B. dem Leiter des ifo-Instituts, unterschätzten die allermeisten Mainstream-Ökonomen ebenso wie 2007 vollkommen das Ausmaß der aktuellen Krise. Der Grund dafür ist meiner Meinung nach, dass die zu Grunde liegenden mathematischen ökonomischen Modelle auf falschen, schädlichen, ideologischen Grundannahmen aufbauen und daher bestimmte gefährliche strukturelle Fehlentwicklungen nicht erkennen können.19 Das ist, wie wenn man eine Brille mit Milchglas für bestimmte Fragestellungen auf hätte.

Ein paar Beispiele: Der Internationale Währungsfonds prognostizierte am 20.3.2020 für Italien einen BIP-Rückgang 2020 von 0,6 Prozent.20 Mittlerweile liegt die Schrumpfungsschätzung bei über 10 Prozent. Am 4.4.2020 rechnete der IWF mit einer Schrumpfung des Welt-BIP von drei Prozent.21 Auch das ist mittlerweile überholt. Unsere Wirtschaftsweisen, der Sachverständigenrat, rechnete am 30.3. mit einem BIP-Rückgang in Deutschland von 2,8 Prozent, „gefolgt von einem raschen Aufschwung“. Der Abschwung werde keinesfalls so schlimm sein wie der von 2009. „Es gebe „keine massiven strukturellen Verwerfungen“.22 Das ist in meinen Augen eine absolute Fehlprognose. Die Wirtschaftsweisen haben bereits bei der Krise 2007-2009 gänzlich danebengelegen. Der Titel eines Artikels in der konservativen Schweizer NZZ am 13.3.2020 ist sehr zutreffend: „Blinde Ökonomen“. Allerdings waren die Ökonomen der NZZ in ihren Analysen und Prognosen auch nicht besser als andere. Gerade sie haben eine besonders dicke Milchglas-Brille mit den neoliberalen Ökonomie-Dogmen auf.

Aus den führenden US-Großbanken kommen mittlerweile andere Töne. „Unsere Einschätzung zu Länge und Tiefe des Wirtschaftsabschwungs hat sich gravierend verschlechtert“ wurde am 14.7.2020 der Chef der US-Großbank Wells Fargo, Charles Scharf, im Wall Street Journal zitiert. Die drei Großbanken JPMorgan Chase, Citigroup und Wells Fargo haben mittlerweile 83 Milliarden Dollar Vorsorge für erwartete Kreditausfälle getroffen. Der Chef von JPMorgan Chase, James Dimon wurde im selben Artikel des Wall Street Journal mit den Worten zitiert: „Dies ist keine normale Rezession. Der eigentliche Abschwung kommt erst noch.“23 Das deutet auf den eigentlichen Kern der Sache hin: Das ist keine normale Rezession, sondern etwas GANZ ANDERES. Nicht umsonst saß JPMorgan Chase schon bei Beginn der Krise auf über 2000 Milliarden Dollar Cash. Meiner Einschätzung nach hat James Dimon, ebenso wie einige andere Akteure an der Wall Street KEINE Milchglas-Brille auf, sondern sieht die kommenden Entwicklungen SEHR klar. Je mehr die große Menge der Ökonomen irrt und diese Irrtümer in den großen Medien verbreitet werden, umso bessere Geschäfte kann man machen, wenn man weiß, wohin die Reise IN WIRKLICHKEIT geht.

Zuletzt sei noch auf den Vergleich mit Schweden hingewiesen, der zeigt, dass die schwedische Wirtschaft durch ihre gemäßigte Corona-Politik ungleich besser fährt als die deutsche, auch wenn in den meisten Leitmedien ständig das Gegenteil der Wahrheit berichtet wird. Das Wirtschaftswachstum in Deutschland betrug im ersten Quartal 2020 minus 2,3% gegenüber dem Vorjahr, in Schweden plus 0,4%.24 Die Autokäufe verzeichneten in Deutschland einen dramatischen Einbruch in den Monaten März-Juni, in Schweden gab es nur einen vergleichsweise mäßigen Rückgang, der nicht halb so stark war wie in Deutschland. Die Importe, die ein guter Indikator für die Binnennachfrage sind, erlebten in Deutschland einen dramatischen Einbruch, sie fielen zurück auf das Niveau von 2014, in Schweden fielen sie längst nicht so stark und ermäßigten sich auf das Niveau von 2017. Auch andere Zahlen wie Verkehrsbewegungen oder Stromverbrauch zeigen, dass Schweden ökonomisch sehr viel besser durch die Krise kam als beispielsweise Österreich25, das ähnliche Covid-Lockdown-Maßnahmen ergriff wie Deutschland.

Warum habe ich diese Zahlen zusammengestellt? Weil sie in den Leitmedien systematisch – und mit systematisch meine ich bewusst, mit Absicht und geplant – unter den Teppich gekehrt und verschwiegen werden. Das hat auch einen Grund. Denn das Nicht-Beachten und Nicht-Berichten über diese Zahlen, Daten und Fakten soll das gängige Narrativ von der Notwendigkeit und Richtigkeit der grundrechtseinschränkenden Lockdown-Maßnahmen der Regierung bestätigen. Nur durch Ausklammern dieser tragischen weltweiten Entwicklungen können wir in unserem Land (sowie in zahllosen anderen Ländern) auch heute noch die zahlreichen Covid-Einschränkungen rechtfertigen: Die unmenschliche, unsinnige Masken-Pflicht, die uns ständig in Angst halten soll; die überwachende Corona-App, die uns ständig an die Gefahr erinnern soll und die zahllosen anderen noch immer zu Unrecht bestehenden freiheitseinschränkenden Reglementierungen.

Diese Zahlen, Daten und Fakten zeigen, dass die in unserem Land und weltweit praktizierten freiheitseinschränkenden Covid-Maßnahmen vollkommen unverhältnismäßig waren und sind. Sie richten einen ungleich viel höheren Schaden an, als sie Nutzen stiften. Die Kur ist um ein vielfaches schlimmer als die Krankheit Corona. Ich möchte daher noch einmal den Alternativ-Journalisten Jens Wernicke, der den Sachverhalt sehr gut auf den Punkt bringt, sinngemäß zitieren: Wir lassen Millionen von Menschen verhungern, weil sie sich sonst mit Covid infizieren könnten.

Zum Autor:
Prof. Dr. Christian Kreiß, Jahrgang 1962: Studium und Promotion in Volkswirtschaftslehre und Wirtschaftsgeschichte an der LMU München. Neun Jahre Berufstätigkeit als Bankier, davon sieben Jahre als Investment Banker. Seit 2002 Professor an der Hochschule Aalen für Finanzierung und Volkswirtschaftslehre. Autor von sechs Büchern: Profitwahn – Warum sich eine menschengerechtere Wirtschaft lohnt (2013); Geplanter Verschleiß – Wie die Industrie uns zu immer mehr und immer schnellerem Konsum antreibt – und wie wir uns dagegen wehren können (2014); Gekaufte Forschung – Wissenschaft im Dienst der Konzerne (2015); Werbung nein danke – Warum wir ohne Werbung viel besser leben könnten (2016); BWL Blenden Wuchern Lamentieren – Wie die Betriebswirtschaftslehre zur Verrohung der Gesellschaft beiträgt (2019, zusammen mit Heinz Siebenbrock); Das Mephisto-Prinzip in unserer Wirtschaft (2019). Drei Einladungen in den Deutschen Bundestag als unabhängiger Experte (durch drei verschiedene politische Parteien), Mitglied bei ver.di. Zahlreiche Fernseh-, Rundfunk- und Zeitschriften-Interviews, öffentliche Vorträge und Veröffentlichungen.

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